Deutschland vs. Italien (2012) – Ein geplatzter Sommernachtstraum

Foto: Redaktion

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Deutschland – Italien: Wenige Tage danach. Die Fans konnten jetzt zwei, drei Nächte drüber schlafen. Für manch einen war das bestimmt auch bitter nötig – auch wenn es vielleicht die unruhigsten Nächte seit langem gewesen sind. Wieder hat es nicht gereicht. Und wieder gegen Italien. Viele tröstende Worte dafür gibt es nicht. Die DFB-Elf war reif – ohne Frage. Reif für den ersten großen Titel seit ’96. Doch am Donnerstagabend wurden wir sportlich geschlagen. Die Italienier waren schlichtweg abgebrühter und viel, viel effektiver vor dem Tor. Ja – und vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn Pirlo nicht in der fünften Minute auf der Linie gestanden hätte. Und vielleicht hätte der französische Schiri am Ende noch ein paar Sekündchen länger nachspielen lassen können. Doch was hilft alles Zetern und Wettern, wenn eines auf der Hand liegt: Der Bessere hat gewonnen.

Es war ein Halbfinale der ganz großen Emotionen – ganz wie erwartet. Deutschland gegen Italien – das ist nun einmal kein normales Fußballspiel. Und das wird es in Zukunft wohl auch nicht so schnell werden, schon gar nicht nach dem jüngsten EM-Aus von unserer Elf. Da sind plötzliche Protestwellen gegen einen breit grinsenden Tagesschau-Sprecher im Affekt durchaus verständlich, aber unangemessen. Andere wütende Kommentare wie über den Doppel-Torschützen im Italien-Dress dagegen gänzlich unter der Gürtellinie. Die Deutschen haben ihren EM-Traum (schon wieder) platzen sehen – und viele Fans zeigten sich hinterher als schlechte Verlierer.

Von geplatzten Träumen und gebremster Euphorie

Wahrscheinlich war es die Ernüchterung, die nach dem x-ten Knockout in Folge so ganz dicht vor der Ziellinie kam. Dabei war die Euphorie dieses Jahr schon gebremst. Viele ließen sich nicht von Anfang an – und trotz der Neun-Punkte-Ausbeute in der „Todesgruppe“ – vom Strom mitziehen. Zu tief saß noch der Schmerz von 2006, von 2008 oder von der WM 2010. Dass es nun ausgerechnet Italien war, das uns wieder einmal auf den Boden der Tatsachen zurückholte, ist wohl Schicksal. Und vielleicht auch der Anstoß zu neuen, noch goldeneren Zeiten.

„Was ist mit der Arroganz, der Brutalität und dem Egoismus passiert? Joachim Löw ist passiert! Von jetzt an will ich alle meine Mittsommer-Nächte mit ihm feiern“, so schwärmte selbst die ausländische Presse nach dem 4:2-Galasieg gegen die Griechen. Und jetzt? Die Euphorie ist verpufft. Der Lobgesang verstummt. Ein Halbfinale zählt überhaupt nichts. Und doch gibt es Gewinner im deutschen Dress bei dieser Euro. Sie heißen Reus, Schürrle, Götze & Co. – denn sie werden schon ab 2012 unserer Elf ein neues, frisches Gesicht verleihen. Waren sie bei dieser EM noch die „beste Bank der Welt“, werden sie in den nächsten beiden Jahren zu echten Leistungsträgern heranwachsen. Und das macht Hoffnung. Hoffnung auf mehr. Hoffnung darauf, dass wir in 2014 vielleicht den ganzen Sommer hindurch tanzen können.

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