Deutschland vs. Spanien: 0:1 - Puyol-Tor lässt den Finaltraum platzen

Logo: DFB
Nicht schon wieder Spanien! Nur wenige Stunden nach dem geplatzten Finaltraum der DFB-Elf ringen Fans hierzulande immer noch um Fassung. Die Bilder erinnern irgendwie an die WM im eigenen Land: Schon wieder entfachten die “Jungen Wilden” durch ihre berauschende Spielweise eine riesige WM-Euphorie - doch erneut war auch in Südafrika im Halbfinale Endstation. Deutschland hat mit Spanien einen neuen Angstgegner - wie schon vor zwei Jahren im EM-Finale demonstrierten die Iberer eindrucksvoll ihre Überlegenheit. Nach einer starken Defensivleistung unserer Jungs in der ersten Hälfte war es diesmal Abwehr-Ass Carles Puyol, der mit seinem Tor nach einer Ecke von links ganz Fußball-Deutschland in die Depression stürzte. Wir haben die Geschehnisse von gestern Abend - nachdem wir alle eine Nacht drüber geschlafen haben - noch einmal versucht, objektiv aufzuarbeiten und liefern euch alle Highlights und natürlich das Puyol-Tor noch einmal auf Video nach.
“Tiki-Taka” zermürbt die Deutschen
Die deutsche Elf ließ von Beginn ihren furiosen Offensivdrang aus den vergangenen Partien wie gegen England und Argentinien vermissen. Zaghaft, fast ängstlich zogen sich Schweinsteiger & Co. in der Anfangsviertelstunde in die eigene Hälfte zurück. Spanien zermürbte den Gegner mit seinem berühmt-berüchtigten “Tiki-Taka”-Spiel.
Angeführt von dem bärenstarken Xavi, zelebrierte der Europameister förmlich sein Klein-Klein-Kurzpassspiel im Mittelfeld - klare Torchancen waren jedoch Mangelware. Nach sieben Minuten musste Neuer gegen den freigespielten Villa retten - weitere sieben Minuten später näherte sich Puyol das erste Mal nach einer Ecke mit einem wuchtigen Kopfball dem Gehäuse.
Ramos-Foul an Özil bleibt ungesühnt
Erst nach rund einer halben Stunde (!) kam Deutschland zu seiner ersten Mini-Chance im Spiel: Der ansonsten völlig enttäuschende Trochowski prüfte Casillas mit einem Distanzschuss aus geschätzten 30 Metern Entfernung. Einen großen Aufreger gab es dann unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff, als Sergio Ramos den sich durch die spanischen Verteidiger-Reihen wühlenden Özil leicht am Knie touchierte und an der Strafraumgrenze zu Fall brachte. Der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai ahndete das Foul jedoch nicht - mit 0:0 gingen beide Teams in die Pause, womit die Löw-Elf bestens bedient war.
Nach Wiederanpfiff zeigte sich zunächst das gleiche Bild: Spanien spielte sich rund um den Strafraum von Neuer die Kugel artig hin und her und versuchte immer wieder, den entscheidenden Nadelstich zu setzen. Besonders Mertesacker in der Innenverteidigung war es aber zu verdanken, dass sich die Iberer bis dato noch an dem deutschen Abwehrbollwerk aufrieben. Nach 50 Minuten hatte Löw genug gesehen: Er brachte zuerst Jansen für den in der Defensive wackligen Boateng und wenig später auch Kroos für den völlig neben sich stehenden Müller-Ersatz Trochowski.
Puyol-Tor wie ein Stich ins Herz
Nachdem die DFB-Elf mit viel Glück die stärkste Phase der Spanier überstanden hatte, entwickelten die bisherigen Überflieger bei dieser WM endlich auch eigenen Zug zum gegnerischen Tor. Besonders Kroos belebte die Offensive spürbar, der in der 70. Spielminute mit seinem satten Volley nach einer Podolski-Flanke die Fanmeilen hierzulande in ein schwarz-rot-goldenes Jubelmeer hätte verwandeln können. Seine Direktabnahme wurde jedoch glänzend vom starken Casillas pariert - fast im Gegenzug dann der Schock für ganz Fußball-Deutschland: Nach einer Xavi-Ecke köpfte Puyol mit riesigem Anlauf und vor allem völlig ungedeckt zur 1:0-Führung für Spanien ein!
Danach reagierten die Iberer mit schnellen Kontern auf die immer noch sehr zaghaft wirkenden Angriffsversuche der Löw-Auswahl. Pedro und der für Villa eingewechselte Fernando Torres hätten in einer 2-gegen-1-Situation den Sieg sogar noch weiter in die Höhe schrauben können, wenn nicht sogar müssen. Mit dem Schlusspfiff starben auch die letzten Hoffnungen auf ein Traumfinale zwischen Deutschland und Holland. Bei den Massen auf den Fanmeilen - in Berlin zitterten wieder über 350.000 Fans vor den Großbildleinwänden mit - spiegelten sich Enttäuschung, Fassungslosigkeit und vielerorts auch Tränen wieder.
Die “Unstoppables” sind so kurz vor dem Endspiel wieder einmal ausgebremst worden. Die Elf, die bis zum gestrigen Abend den wahrscheinlich mit Abstand attraktivsten und mitreißendsten Fußball in der K.O.-Phase gespielt hatte, muss nun die Segel streichen. Das “kleine Finale” gegen Uruguay am kommenden Samstag dürfte in den Köpfen vieler - Fans wie auch Spieler - dabei so kurz nach der verpassten Riesenchance eher noch wie eine zusätzliche Folter erscheinen.
“Unsere Mannschaft hat eine große Zukunft!”
“Wir haben es nicht zu 100 Prozent geschafft, taktisch so gut zu spielen, wie in den zwei Partien zuvor”, sagte ein geknickter Schweinsteiger nach dem Abpfiff, “Spanien hat das beste Team der Welt, das hat man heute gesehen. Auch wenn alle sagen, dass wir ein tolles Turnier gespielt haben, sind wir doch sehr geknickt. Natürlich hat unsere Mannschaft eine große Zukunft, aber wir haben heute gesehen, was eine Top- Mannschaft ist. Da müssen wir noch ganz schön arbeiten.”
“Die Mannschaft hat heute nicht mit dem Mut und der Überzeugung wie in den ersten Spielen agiert. Ich will jetzt aber nicht Kritik üben, denn sie hat hier Tolles geleistet”, nahm Bundestrainer Löw aber seine Spieler in Schutz. Mit Blick auf die Zukunft äußerte sich auch Teammanager Oliver Bierhoff: “Mit ein bisschen Abstand werden alle mit Stolz auf diese WM zurückblicken. In der Mannschaft steckt unheimlich viel Potenzial drin. Wir haben dran geglaubt, aber es sollte heute nicht sein.”
Für den ganz großen Wurf hat es in diesem Jahr noch nicht gereicht. Vielleicht muss man gerade als geduldiger Fan einer so jungen Elf auch plötzliche Einbrüche zugestehen. Die “Jungen Wilden” um Lahm, Schweinsteiger, Müller, Özil & Co. stehen erst noch am Anfang einer langen und vielversprechenden Ära - das haben u. a. schon England und die Argentinier aufs Härteste zu spüren bekommen. Genauso spürt auch Fußball-Deutschland, dass dort im DFB-Teamlager etwas Großes heranwächst. Die deutsche Elf hat dieser WM ohne Zweifel ihren Stempel aufgedrückt. Dass dabei am Ende nicht der Pott heraussprang, hat aber auch seine positiven Seiten: In zwei Jahren zur EM 2012 sind die Protagonisten von gestern Abend um einiges reifer und noch titelhungriger - und dass es 2014 in Brasilien dann auch endlich, endlich, endlich mit dem vierten WM-Stern klappt, beweist sogar die FIFA auf ihrer Homepage mit ihrem Artikel “Gesetz der Serie”.
Deutschland - Spanien: 0:1 (0:0) - Spielernoten von fussball eXtreme
- Tor: Neuer - 1-
- Abwehr: Lahm - 3-, Mertesacker - 2, Friedrich - 3, Boateng - 4, Jansen (ab 52. Minute für Boateng) - 3
- Mittelfeld: Khedira - 3, Schweinsteiger - 2-, Trochowski - 5, Özil - 4, Podolski - 3-, Kroos (ab 62. Minute für Trochowski) - 3
- Sturm: Klose - 3, Gomez (ab 81. Minute für Khedira) - o. B.

















Ich versteh nicht, wie man einen kopfballstarken Spieler wie Puyol so frei zum Kopfball kommen lässt. Wer den zotteligen Puyol so frei stehen lässt, hat es nicht anders verdient, als ein Gegentor zu bekommen!
[...] Trost: Carles Puyol, der mit einem sensationellen Kopfball Spanien die Führung und letztlich den Sieg des Halbfinales bescherte ist ein Stierfreund. Der Katalane spricht sich gegen grausame Stierkämpfe aus. Mal [...]