DFB-Ankunft: Kein offizieller Empfang in Frankfurt – Fans enttäuscht

Logo: DFB

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Die Bilder von der WM 2006 haben Fans noch bis heute vor Augen: Nach einer grandiosen Leistung und einem respektablen dritten Platz ließen sich die Spieler auf der größten Fanmeile der Welt in Berlin gebührend feiern. Die „Danke Deutschland„-T-Shirts sind legendär und waren eine Hommage von Ballack & Co. an ihre tollen Fans. Das krasse Gegenbeispiel gab es nun bei der DFB-Ankunft in Frankfurt am Montagmorgen.

Dass es keine rauschende WM-Party wie vor vier Jahren geben würde, wussten die Fans schon vorher – auch wenn es nicht für jeden unbedingt nachvollziehbar war. Die „Jungen Wilden“ verzauberten uns in Südafrika teilweise mit Offensiv-Fußball der schönsten Sorte. Nach dem Erdrutsch-Sieg im Achtelfinale gegen „Fußball-Erzfeind“ England brach hierzulande eine Riesenwelle der Euphorie los – und genauso wie bei der Endrunde im eigenen Land kehrt die DFB-Elf als WM-Dritter heim. Trotzdem warteten die rund 1.000 teils seit den Morgenstunden ausharrenden Fans am Frankfurter Flughafen heute vergebens auf ihre Stars.

DFB-Ankunft in Frankfurt – „Das war der ausdrückliche Wunsch der Spieler.“

Nachdem der neue Riesen-Airbus A380 der Lufthansa, mit dem die WM-Mission der DFB-Elf vor etwa vier Wochen begonnen hatte, in Frankfurt gelandet war,  gab es einen knapp zehnminütigen Empfang mit Oberbürgermeisterin Petra Roth von der CDU und wenigen geladenen Pressevertretern. Kurz darauf wurde der Tross in mehreren Bussen abtransportiert – die gut gelaunten Fans in der Flughafenhalle, darunter auch die Band „Uwu Lena“, die während der WM mit „Schland o Schland“ den WM-Hype vorangetrieben hatte, bekamen ihre Idole nicht einmal zu Gesicht. „Das war der ausdrückliche Wunsch der Spieler, dass sie so schnell wie möglich in ihre Heimatorte und in den Urlaub kommen“ teilte DFB-Sprecher Klaus Koltzenburg den enttäuschten Anhängern mit.

Unrühmliches Ende einer tollen WM – Leere Worte oder einfach nur Akku runter?

Der Abgang „durch das Hintertürchen“ nach WM-Rekordsiegen wie dem 4:1 gegen England und dem 4:0 gegen die Maradona-Elf – ein unrühmliches Ende des ansonsten so mitreißenden WM-Sommers aus Sicht der deutschen Fans! Das reservierte Verhalten unserer Stars passt ganz und gar nicht zur stets so locker daherkommenden Stimmung im DFB-Teamlager und den bewegenden Worten, wie sie zuletzt im DFB-Brief unmittelbar vor dem Halbfinal-Aus gegen Spanien geäußert worden waren. Immerhin richtete ein sichtlich erschöpfter Schweinsteiger das Wort noch einmal an ganz Fußball-Deutschland: „Wir haben natürlich viel Unterstützung bekommen und sind sehr dankbar.“

Für die WM-Helden gilt es nun, neue Kraft zu tanken, denn in gut einem Monat startet die neue Bundesliga-Saison. Vielleicht ist auch das ein Grund – wenn nicht sogar der Hauptgrund – warum es die Spieler so eilig haben, in den wohl verdienten Urlaub zu gehen.

Nach der abgelaufenen Saison mit ihren Vereinen hatten die 23 Akteure – alle aus der Bundesliga stammend – ohnehin nur wenig bis gar keine Gelegenheit zum Verschnaufen. Der Akku vieler Stars ist nun restlos aufgebraucht – die Zeit zum Füße-Hochlegen jedoch nur begrenzt. Schon am 20. August beginnt mit dem Kracher zwischen Bayern und Vorjahres-Meister Wolfsburg die neue Bundesliga-Spielzeit 2010/2011. Eine Woche vorher müssen die 18 Bundesligisten bereits in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals ran.

„Dass die Jungs so etwas machen, ist einfach nur peinlich.“

Ungeachtet dessen könnten einige Fans den WM-Helden ihren mauen Empfang nach der Rückkehr aus Südafrika krumm nehmen. Am Flughafen in der Mainmetropole gab es sogar Tränen bei einigen der vergrätzten Anhänger. „Dass die Jungs so etwas machen, ist einfach nur peinlich“, so das Statement einer im Deutschland-Trikot vergebens wartenden Anhängerin im ZDF-Beitrag bei „Volle Kanne“. Keine Frage: Dieser Abgang war selbst eines WM-Dritten unwürdig und auch gegenüber den immerhin unter glühend heißer Sonne auf Fanmeilen treu mitfiebernden und kaufkräftigen Fans etwas respektlos.

Offener Brief an alle enttäuschten Fans: „Das Team sagt ‚Sorry!'“

5 comments to DFB-Ankunft: Kein offizieller Empfang in Frankfurt – Fans enttäuscht

  • Uwe Fröhlich

    Diese Ignoranz und Arroganz haben die Fans nicht verdient.

  • Peinlich

    ch denke, dass jedem Fan am Frankfurter Flughafen bewußt war, dass es dort kein großes Fan Fest geben wird. Insofern hat die Diskussion um eine Feier in Berlin überhaupt nichts mit dem Auftritt am Fankfurter Flughafen zu tun. .

    Es geht vielmehr darum, ein Mindestmaß an Anstand und Respekt zu zeigen.

    Fussballspieler sind letztendlich hoch bezahlte Dienstleister. Es mag jedem einleuchten, dass man nach 10 Stunden Nachtflug und 8 Wochen WM WM Vorbereitung möglichst schnell seine Ruhe haben will. Dies ist aber keine Entschuldigung dafür, sich nicht noch einmal für zehn Minuten zusammen zu reißen und sich den wartenden Fans (Kunden) zu zeigen. Kundennähe wird von Millionen anderen Dienstleistern auch tagtäglich erwartet (selbst wenn es gerade schwer fällt)..

    Es sollen ja auch viele junge Fans darunter gewesen sein, für die ein Traum in Erfüllung gegangen wäre ihre Stars einmal live (wenn auch nur kurz) zu sehen. Es ist mir absolut unverständlich wie man gerade diese Fans so entäuschen kann.

    Man kann nur hoffen, dass dieser Auftritt nicht um die Welt geht und mit der Ankunft der Urus, den Holländern und den Spanieren verglichen wird. Ich glaube dann würde sich das symphatische Bild, das sich die Nationalmannschaft in den letzten vier Wochen erarbeitet hat, blitzschnell wieder relativieren.

    So etwas geht leider gar nicht und hat überhaupt nichts damit zu tun, dass man öffentliche Auftritte im Vorfeld angelehnt hat.

  • P.Pawlowski

    Bei aller Freude,
    diesen Schlag ins Gesicht derer,
    die das Alles letztlich finanzieren,sollte man im nächsten Länderspiel
    mit gleicher Münze heimzahlen und durch Abwesenheit glänzen.
    Diese Ignoranz und Arroganz haben die Fans nicht verdient.
    Eine peinliche Nummer die vielen die rosarote Brille herunterreissen wird.

  • Michael Holzki

    Ich habe dem DFB folgende Mail geschickt:

    Sehr geehrtes DFB-Team,
    die Verbundenheit mit den deutschen Fans, die auf den Pressekonferenzen in Südafrika wie ein Mantra wiederholt wurde, kann ich nach der Ankunft in Frankfurt nur als Lippenbekenntnisse bzw. rein professionelle Medienarbeit ohne Grundlage werten. Denn von dieser Verbundenheit war (nota bene von Seiten der Mannschaft) am Flughafen nichts mehr zu spüren, sonst hätten die Spieler sich wenigstens für ein paar Minuten der vielfach weitgereisten und seit Stunden wartenden Fangemeinde gezeigt. Wenn schon die einfachsten Regeln einer guten Erziehung nicht ausreichten (Anstand, Respekt etc.), warum hat die oben genannte Professionalität auf ganzer Linie versagt? DFB-Vorstand, Trainer, Manager, Pressearbeiter und Spieler sind doch alle Medienprofis! Wenn ihnen die Fans am Flughafen schon egal sind, muß man das auch noch ausdrücklich zeigen?
    Und alle möglichen nachgeschobenen Einwände, Ausflüchte und Entschuldigungen von „Keine Siegesfeier“ bis „Zu müde nach all den Wochen“ kann ich nicht gelten lassen. Sich kurz der kleinen Schar von Fans pars pro toto zu zeigen, wäre nicht zuviel gewesen sondern eine bare Selbstverständlichkeit. Und wenn das alles die hochdotierten Verantwortlichen nicht begreifen wollen, dann muß man sie an etwas erinnern, woran sie alle sicherlich als letztes denken (kleine Ironie!), den schnöden Kommerz. Immerhin heißt es doch so schön: Beim Geld fängt die Freundschaft an. Die Fans geben viel Geld aus für Eintritte, Fanartikel, Produkte, für die etliche der Stars große Werbeverträge eingehen und vieles mehr. Belaßt sie doch wenigstens im naiven Glauben, es ginge rein um das Spiel als Gesellschaftsereignis! Diesbezüglich war das Verhalten der gesamten Riege eine Ent-Täuschung.

  • Ursula Holzki

    Ich bin von der Deutschen Nationalmannschaft und ihrer Spielweise total begeistert. Es war eine Freude, ihren Spielen zuzusehen. Aber was sie sich am Flughafen Frankfurt geleistet haben, ist ihrer eigentlich nicht würdig. So behandelt man nicht Fans, die zu früher Stunde von weither gekommen sind, um ihre Idole zu begrüßen. Ich empfinde das als Missachtung ohnegleichen. Was wären die Spieler ohne ihre Fans?! Auch wenn die Jungs müde waren, wären wenigstens 1O Minuten für die lange wartenden Fans nicht zu viel verlangt gewesen. Schließlich verdienen der DFB und die Spieler ja eine Menge Geld, woran die Fans einen erheblichen Anteil haben.
    Ich bedaure die fehlende Sensibilität der DFB Verantwortlichen und der Spieler. Der gute Eindruck wird durch ihr nicht nachvollziehbares Verhalten nachhaltig geschmälert. Schade!!!

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