Kunstrasen: Plastik vs. Natur – Vor- und Nachteile des Kunst-Grüns

Foto: pixelio.de / RainerSturm

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Kunstrasen – in Deutschlands Profiligen (noch) ein Tabuthema, in anderen Ländern wie Österreich längst Spielbelag der größten und renommiertesten Klubs. Ausgerechnet auf diesem „Plastikrasen“ steigt heute um 17 Uhr in Moskau das wichtigste WM-Quali-Spiel für „Jogis“ Jungs. Doch warum ist Kunstrasen als Spieluntergrund gerade hierzulande immer noch so hoch umstritten? Ist die Verletzungs-Gefahr für Profis etwa höher als auf Naturrasen? Gibt es überhaupt gravierende Unterschiede zwischen beiden Belägen? Wir machen den Direkt-Vergleich und versuchen herauszufinden, ob am heutigen Nachmittag tatsächlich das Spielfeld das Zünglein an der Waage sein könnte.

Ein maßgeblicher Grund, warum der Trend in Europa auch auf den Fußball-Plätzen mehr und mehr in Richtung Kunstrasen geht, sind die weitaus geringeren Kosten. Naturrasen muss regelmäßig ausgetauscht werden, weil er nach einer bestimmten Anzahl von Spielen buchstäblich „abgetreten“ ist. Weitere Vorteile des Kunstbelags sind der viel geringere Pflege-Bedarf und beispielweise auch die Bespielbarkeit bei extremen Witterungsbedingungen.

Foto: pixelio.de / Rike

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Vorteile für kleine und wendige Spieler

Vor allem Spieler und Befürworter des Naturrasens bemängeln allerdings oft die höhere Belastung für Knie- und Fußgelenke, wodurch das Verletzungs-Risiko auf Kunstrasen erheblich steigen würde. DFB-Keeper René Adler wies außerdem gegenüber „Spiegel Online“ darauf hin, dass Bälle auf Kunstbelag wegen des weicheren Untergrunds anders aufspringen würden. Einen echten Vorteil bietet der Kunstrasen aber vor allem kleinen und wendigen Spielern. Da der Belag mehr Haftung als beispielsweise Naturuntergrund bietet, können „Finten“ häufiger und präziser durchgeführt werden. Ein Aspekt, von dem in Moskau vor allem die Hausherren mit Spielern wie Arschawin und Pogrebnyak in ihren Reihen profitieren.

Nicht ohne Grund hat die russische Nationalmannschaft noch kein einziges Spiel in Moskau verloren. In der Quali zur EM 2008 scheiterten sogar „Becks“, Rooney & Co. bei den Zaren – hinterher monierten viele Spieler besonders den gewöhnungsbedürftigen Untergrund.

Foto: pixelio.de / Stephanie Hofschlaeger

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„Es gibt sicher Überlegungen, welche Spieler prädestiniert sind, die Aufgaben auf dem Kunstrasen zu erledigen.“

Bundestrainer Löw dürfte also gewarnt sein. Um seine Elf auf das so wichtige Spiel gegen Gruppengegner Russland vorzubereiten, ließ er eigens einen Test gegen die Mainz-Amateure auf eben jenem „Plastikboden“ ansetzen. In den Reihen der DFB-Elf könnten vor allem Lahm, Marin und Trochowski auf Grund ihrer Körpergröße von dem Rasen in Moskau profitieren. „Es gibt sicher Überlegungen, welche Spieler prädestiniert sind, die Aufgaben auf dem Kunstrasen zu erledigen“, wird Löw weiter auf „Spiegel Online“ zitiert.

Fakt ist: Einen Vorteil auf Kunstrasen hat vor allem derjenige, der sich auf den neuen Belag einstellt. Größter „Fan“ des Plastikbelags ist seit Jahren der österreichische Vorzeige-Klub RB Salzburg. Seitdem dort auf Kunstrasen gespielt wird, haben sich die Mannen von Neu-Trainer Niko Kovac peu à peu zu einer der heimstärksten Mannschaften ihrer Liga gemausert.

Foto: pixelio.de / Rike

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Plastik vs. Natur – oder: FIFA vs. UEFA

Wirklich „grün“ scheint das „Plastik-Gras“ aber selbst der UEFA noch nicht zu sein. Zum Champions-League-Finale 2008 zwischen Chelsea und ManU, das bekanntlich in Moskau ausgetragen wurde, musste der Kunstrasen extra herausgerissen und Natur-Grün verlegt werden. Der Grund: Die UEFA befürchtete einen Imageschaden beim Aufeinandertreffen von Superstars wie Cristiano Ronaldo, Lampard, Gerrard & Co. – FIFA-Präsident Sepp Blatter würde den Kunstbelag hingegen lieber heute als morgen zum einheitlichen Spielbelag vorantreiben. So sollte die WM 2010 in Südafrika ursprünglich eine Art „Vorreiterrolle“ einnehmen und das Image des Kunstrasens aufbessern. Ein Plan, von dem die FIFA allerdings schnell wieder abzurücken schien.

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