Spanien – Portugal: Der Titelverteidiger noch nicht weltmeisterlich

Foto: Redaktion

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Vorrunde überstanden und Frankreich geschlagen – Spanien steht wie erwartet im EM-Halbfinale gegen Portugal. Aber voll überzeugend waren die Auftritte des Titelverteidigers bisher nicht. „In Donezk ist es sehr heiß, deshalb war das schwierig für uns“, sagte Spaniens Trainer Vicente del Bosque nach dem unspektakulären 2:0 gegen die Franzosen. Spanien besiegte den Angstgegner mit stoischer Ruhe und großer Präzision in den entscheidenden Momenten. Nicht schön, aber effizient.

Die spanische Passmaschine hat sich auch von den zeitweise überforderten Franzosen nicht aufhalten lassen, obwohl das stürmerlose 4-6-0-System eigentümlich wirkt. Wie gegen Italien agierte Cesc Fàbregas, eigentlich zentraler Mittelfeldspieler, als „falscher Neuner“ im Sturm. Angreifer Fernando Torres saß anfangs mal wieder nur auf der Bank. Folge: Trotz der spanischen Dominanz mangelte es an Torgefahr, weil nach dem Kombinationswirbel die klaren Abschlüsse ausblieben. Gegen die Equipe Tricolore begnügten sich die Spanier mit vergleichsweise bescheidenen neun Torschüssen in 90 Minuten. Reicht solch ein geringer Aufwand für den EM-Titel?

Eine Debatte, die del Bosque gar nicht mag. „Wir hatten mit Iniesta, Silva und Fàbregas drei Angreifer auf dem Platz. Wir wollen immer den Ball, wir waren fast immer am Ball, deshalb war das Resultat okay“, sagte der Coach trotzig. Doch auch del Bosque wird nicht verborgen geblieben sein, dass bei seinen Kombinationskünstlern bei allem Spielwitz das Spektakel fehlt. Spanien wirkt routiniert, aber nicht ganz frisch.

Spanien – Portugal: Der Welt und Europameister vor dem Klassiker

„Wir werden bis zum Ende hier unsere Idee verfolgen“, versprach Doppeltorschütze Alonso noch, bevor er in den Bus stieg. Sie träumen in Spanien von der Titelverteidigung. Und der Traum lebt nach wie vor. Tatsächlich scheint das hochgehandelte Team etwas von der bisherigen Spielstärke verloren zu haben. Das Fehlen der beiden Schlüsselspieler Carles Puyol (Knieoperation) und Stürmer David Villa (Schienbeinbruch) wiegt schwerer, als zunächst angenommen. Gegen die Franzosen agierten die Kurzpass-Künstler zwar gewohnt ballsicher; im Abschluss fehlte es aber genau wie im Auftaktspiel gegen Italien an der Durchschlagskraft, dazu kommen eklatante Abstimmungsprobleme in der Defensive.

Die beiden Mittelfeld-Strategen Andrés Iniesta und Xavi schaffen es nicht, ihren „Stürmer“ entscheidend in Szene zu setzen. Die wenigen Aktionen von Torres selbst (wenn er denn mal auf dem Platz stand) waren zu leicht durchschaubar. Trotz seiner beiden Tore gegen Irland ist es ihm bisher nicht gelungen, Villa gleichwertig zu ersetzen. Villa ist ein anderer Spielertyp. Er agiert flexibler, weicht auf die Flügel aus und holt sich Bälle aus dem Mittelfeld. Torres tut das meist nicht.

Noch schwerer ist das Fehlen von Abwehrchef Puyol zu kompensieren. Ohne ihn wirkt die Defensive der Spanier unorganisiert. Der etatmäßige Rechtsverteidiger Sergio Ramos soll ihn in der Innenverteidigung vertreten. Spielerisch ist das kaum ein Problem – ein Abwehrchef ist Ramos aber nicht. Genau diese fehlende Organisation hätte gegen die Kroaten fast zum Vorrunden-Aus geführt.

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