WM-Sommer 2018: Ein abschließendes Fazit

Ein kleines Fazit zum WM-Sommer aus deutscher Sicht

„Don’t take me home – please don’t take me home…“ – der Waliser Schlachtruf dröhnte vor allem bei Englandspielen auch in diesem WM-Sommer wieder durch die Stadien. Und er war für fast alle Favoriten dieses Jahr Programm. Wer noch den Fußballmanager von EA kennt, weiß, dass nach einer WM immer Kurzzusammenfassungen folgen – die größten Überraschungen, und die größte Enttäuschung, gemessen an den vorherigen Erwartungen und Ansprüchen. Letztere, na klar, war in diesem Sommer eindeutig die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Auf allen Ebenen. Inklusive dem erbärmlichen Nachspiel nun in den Medien. Ein historisches Vorrundenaus, das auch hierzulande Wellen schlug. Auch wenn viele damit gerechnet haben, hat es vor allem den Handel schwer getroffen. Das Geschäft mit den Fanartikeln beispielsweise war sonst immer alle vier Jahre ein Selbstläufer. Ein Umsatzgarant. Diesen Sommer blieben viele Regale voll, die Fanmeile in Berlin bekam den Spitznamen „Gähnmeile“.

Clever war der, wer von Anfang an auf die vermeintlichen Underdogs gesetzt hat. Wie der Berliner Fanartikel-Anbieter DonPallone, der vor der WM unter anderem sein belgisches Fansortiment noch mal ordentlich aufgestockt hat. Die Roten Teufel waren eine der Positiverscheinungen, gekrönt mit der besten WM-Platzierung aller Zeiten für eine belgische Nationalmannschaft, dem 3. Platz. Natürlich muss an der Stelle auch das Stehaufmännchen Kroatien genannt werden. Mentalität und Kampfgeist, der unbändige Wille erinnerten ein bisschen an den Weltmeister von 2014. Auch deshalb dürften viele hier in Deutschland im Finale den Kroaten um Modric & Co. die Daumen gedrückt haben.

Zweiter WM-Stern für Les Bleus

Keine wirkliche Überraschung war am Ende einzig der Weltmeister: Frankreich. Viele zählten Mbappé, Griezmann und seine Mannen ohnehin zumindest zum erweiterten Favoritenkreis. Von den großen Fußballnationen waren Les Bleus neben den Three Lions aber die einzigen, die ihr Potential bei diesem Turnier auch voll ausgespielt haben. Für viele Andere war ab dem Achtelfinale schon Schluss. Brasilien erwischte es im Viertelfinale – auch wenn sich dieser letzte verbliebene Riese gegen starke Belgier bis zur letzten Sekunde gewehrt hatte. Es war nicht die WM der Großen, nicht das Turnier der Superstars.

Diesen Sommer waren mal andere an der Reihe

Dieses Mal waren mal andere dran. Nach schlussendlich vier prächtigen WM-Verläufen – Finale 2002, Heim-WM 2006 mit dem 3. Platz, 3. Platz 2010 und dem 4:1 gegen England, 4:0 gegen Argentinien; und natürlich der Triumph 2014 – kann man das aus deutscher Sicht auch gerne mal hinnehmen. Das große Problem war das Auftreten nach außen hin, auch diese sich scheinbar festgebissene Arroganz des DFB-Trosses, Löw in vorderster Front. Das Nichteingestehen von Fehlern – die offenkundig nicht erst bei der Kadernominierung begannen.

Nations was? – Der nächste Dämpfer wartet schon

Deutschland war bei dieser WM äußerst unsympathisch, wenn man im Vergleich die sich aufopfernden Kroaten oder die „jungen Wilden“ von Gareth Southgate anschaut. Der deutsche Tross hat sich in Russland auf seinen Ruf als ewige Turniermannschaft verlassen und ist damit kläglich gescheitert. Schlimmer noch: Im Anschluss daran will niemand die Verantwortung übernehmen, stattdessen werden Sündenböcke gesucht. Bis ins Sommerloch hinein, und es wird auch noch bis zur – fast schon als Heilsbringer herbeigesehnten – „Nations League“ so weitergehen. Eben weil sich niemand, kein Löw, kein Bierhoff, öffentlich dazu bekennt: Ja, wir haben Fehler gemacht. Ohne im selben Zug mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ja, vielleicht hätten wir mit Wagner oder Petersen vorne im Angriff noch mal zusätzliche Durchschlagskraft gehabt, gerade gegen Defensivspezialisten wie Südkorea. Ja, vielleicht haben wir uns bei der Kadernominierung insgesamt verzockt. Die letzten Jahre ist es gutgegangen. Dieses Mal eben nicht. Finito. Alles andere sind nun Störfeuer, die aus dieser Inkonsequenz resultieren – und es scheint nur schwer vorstellbar, dass diese bis zum September erlöschen. Der erste Aufbaugegner am 6. September heißt Frankreich. Allez.

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